Warum wir Happy Ends brauchen

Es gibt sie überall: In der Literatur, Film, Theater, Comics, Serien und manchmal auch im echten Leben.

Es gibt unzählige Autoren, die ausschließlich Happy Ends in ihren Geschichten schreiben. Mancher mag sich wundern „Wird das nicht langweilig?“. Die Antwort ist: „Nein.“

Nehmen wir mein Lieblingsbeispiel: Jane Austen.
Sie ist eine, der berühmtesten Autoren der Welt und hat ausschließlich Happy Ends geschrieben. Selber schrieb sie in Mansfield Park, dazu wie folgt:

„Lass andere Stifte auf Schuld und Elend verweilen. Ich beende solche abscheulichen Themen so schnell wie ich kann, ungeduldig jedem, der nicht selber groß in Schuld geraten ist, erträgliche Behaglichkeit zurückzugeben und mit dem Rest fertig zu sein.“

Selber lebte Jane Austen in vergleichsweise schwierigen Verhältnissen. Unverheiratet und abhängig von ihren Brüdern, später geschwächt von Krankheit, an der sie schließlich jung starb.

Ein weiteres Beispiel ist Jane Eyre von Charlotte Bronte. Während ihre Schwester Emily mit Wutherings Heights eine Geschichte schrieb, die alles andere als happy endet, hat Charlotte ihrer Heldin, die ihrer selbst und ihren Erfahrungen sehr ähnlich ist ein Happy End verschafft, mit dem man kaum noch gerechnet hätte.

Gerade die Bronte Schwestern lebten in schwierigen Verhältnissen, wie ihre fast autobiografischen Romane wiedergeben.

Ein weiteres Beispiel ist Bollywood. In meiner Teenagerzeit habe ich die Filme förmlich verschlungen: Nach 3 Stunden Drama, vielen Tränen und Verwirrungen, die manchmal absurd, manchmal lustig waren gab es immer ein Happy End.

Es gibt sogar einen Film in Indien, der seit Jahrzehnten im Kino läuft und Leute immer noch dorthin gehen. Warum? Fragt man sich.

Leben in Indien ist nicht einfach, wenn man nicht zu den Reichen gehört. Oft sind Filme dort eine günstige Methode um den eigenen Leben zu entfliehen, in eine bunte, laute, Traumwelt, wo alles immer gut wird.

Warum also brauchen wir Happy Ends?

Die Antwort ist simpel: Hoffnung.

Wir wissen rational alle, dass es nicht immer ein Happy End geben kann. Dass Menschen, Kinder, Mütter, Väter sterben; Menschen einen verraten und verletzen. Wir wissen, dass die Chance einsam zu sterben genauso groß ist, wie die große Liebe zu finden. Wir wissen, dass es ewiges Glück nicht gibt. Und trotzdem lassen wir uns von dieser Fantasie mitreißen.

Meine Freundin in der Schule pflegte immer zu sagen: „Hoffnung stirbt zuletzt“.

Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es stimmt.

Selbst als ich am Boden meiner Existenz angekommen war und an nichts Gutes mehr zu glauben schien, hatte ich immer noch einen kleinen, schwachen Funken Hoffnung, das alles besser werden kann.

Und es wurde.

Und diese Hoffnung ist es, die uns antreibt. Die uns die Schwierigkeiten und Stolpersteine, die schweren Tage und Verletzungen des Lebens überstehen lässt.

Es ist der Glaube, dass es am Ende etwas wert ist all dies zu erleben.

Ob es letztendlich so kommt, weiß man erst auf dem Sterbebett. Aber ich glaube, dass es besser ist ein Leben mit Hoffnung gelebt zu haben, dass es besser werden könnte, als in Trauer und Elend zu leben.

Deshalb halte ich Geschichten mit Happy Ends genauso wichtig, wie Geschichten mit „realem“ Inhalt.

Bewusst setze ich das Wort in Gänsefüßchen, denn wer sagt denn, dass ein Happy End nicht real sein kann?

Vielleicht nicht genauso wie in Bollywoodfilmen, wo jeder jedem vergibt und sie alle glücklich zusammen leben, aber ein weniger perfektes Happy End, dass trotzdem happy ist, reicht ja auch oder?

Ich für meinen Teil liebe ein gutes Happy End und meide meistens Filme, in denen es solche nicht gibt.

Was denkt ihr? Liebt ihr Happy Ends oder verabscheut ihr sie?

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4 Gedanken zu “Warum wir Happy Ends brauchen

  1. xani schreibt:

    Deshalb kann ich persönlich nicht wirklich nachvollziehen warum Leute am liebsten Angst Fanfictions lesen. Ich denk mir immer, dass das Leben doch so schon deprimierend genug sein kann. (Man braucht ja nur mal die Nachrichten anmachen.) Warum sollte ich mir sowas auch noch in meiner Freizeit vorsetzen? Da setze ich mich doch lieber mit Geschichten auseinander, die mir genau das Gegenteil geben, so dass ich mich danach besser fühle. Ich bin auf jeden Fall auch ein Happy End Vertreter. ^^v

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  2. carryreads schreibt:

    Xani!!! Danke für den Kommi <3<3<3 Ich stimme dir voll und ganz zu!
    Ich habe ne Kollegin, die ausschließlich raurige Sachen liest. Da frage ich mich auch imer "Ist dein Leben nicht miserabel genug?" XD

    Gefällt mir

  3. Mikku-chan schreibt:

    Ah, was für ein herrlicher Beitrag. 🙂 Und ich liebe es jetzt schon, dass du Jane Austen und Charlotte Bronte erwähnst. :3

    Zu deiner Frage: Ich bin sappy, ziemlich harmoniebedürftig, also ja, ich brauche meine Happy End (afters). 🙂
    Allerdings kommt es klar auf das Genre an. Hier und da lese ich doch gerne eine Dystopie, wo ich weiß, dass es nicht immer gut ausgehen kann. Aber a) muss ich dafür in der Stimmung sein und b) muss es nicht bedeuten, dass alle Dystopien kein HEA haben. Dennoch gibt es manche Bücher, die auch ohne „das“ HEA funktionieren.

    Allerdings ist es bei manchen Büchern auch ehrlich gesagt sehr ermüdend, wenn ein kitschiges Happy End versucht wird, zu toppen. Das ist tlw. in manchen Genrebereichen schlimm, wenn ein Bestsellerroman den anderen jagt und Buch XY von AutorIn Z nochmal eine Schippe drauflegen muss… Genauso, wie HEA seltsam in Genre sind, wo man denkt: huch, da hätte ein „neutrales“ Ende besser gepasst. Sehe ich tlw. bei Krimis oer Thrillern… Ist dann etwas unschön, da eine Hintergrundliebesgeschichte „reingedrückt“ zu bekommen – allerdings kann es tlw. auch funktionieren. 🙂

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