Review zu: Jane Eyre von Charlotte Brontë

Heute mal ein beliebter und Lieblingsklassiker von mir:

Jane Eyre von Charlotte Brontë

10210

Zusammenfassung von Goodreads (übersetzt):
Verweist in den Haushalt ihrer Tante Read auf Gateshead, Objekt eines grausamen Regime in der Lowood Wohltätigkeitsschule, entwickelt sich Jane Eyre unversehrt in Geist und Anstand. Sie bezieht einen Posten als Gouvernante in Thornfield, verliebt sich in Mr. Rochester und entdeckt das Hindernis ihrer rechtlichen Heirat in einer Geschichte, die in ein Melodrama übergeht um die Leidenschaftliche Suche einer Frau nach einem reicheren und größeren Leben als es in der Viktorianischen Gesellschaft erlaubt war.

Mit einer Heldin voller Sehnsucht, die dunkelen Geheimnisse, die ihr begegnen und die Entscheidungen, die sie schließlich trifft beschäftigt und provoziert Charlotte Bronte’s innovatives und romantisches Buch immernoch die Leserschaft.

 

Mein Review:

Zugegeben ich war sehr skeptisch Jane Eyre zu lesen, weil die Adaptionen größtenteils sehr dunkel sind und ich vorher einen Ausschnitt davon gesehen hatte. Aber auch hier gilt: „Never judge a book by it’s movie.“
Denn Jane Eyre ist soviel, soviel mehr als je eine Adaption zeigen kann. Der ganze düstere Aspekt aus den Filmen ist im Buch nicht so präsent wie erwartet.

Am Anfang ist das Buch echt langsam. Es beginnt mit Jane’s Kindheit, die wirklich hart und böse ist, weil sie von ihrer Tante und Cousins grauenhaft misshandelt wird. Wer also eher auf Heile Welt ala Stolz & Vorurteil steht wird hier ganz schön schlucken müssen. Auch mir ging es so.
So richtig kommt die Geschichte aber erst ins Laufen als Jane die Schule verlässt um als Gouvernante zu arbeiten. Von da an wird es sehr spannend, denn sie trifft den grimmigen Mr. Rochester, ihren Arbeitgeber.

Jane als Charakter ist eine unheimlich starke, selbstbewusste, nach eigenen Prinzipien handelnde und unabhängige Frau, was ich, nicht nur für ihr Zeitalter, sondern allgemein klasse finde.

Signifikant zeigt sich dies in folgenden Umständen:

Wenn Mr. Rochester sie das erste Mal heiraten will, will er sie mit Juwelen und Geschenken überhäufen, was sie, wieder und wieder ablehnt, da sie das Gefühl hat, dann noch mehr in seiner Schuld zu stehen. Sie will auch bis zu der Hochzeit weiterhin als Gouvernante arbeiten um sich ihr eigenes Geld zu verdienen.

Als herauskommt, dass Mr. Rochester bereits eine Frau hat und er Jane bittet mit ihm zu fliehen und als seine Mätresse zu leben, verlässt sie ihn, denn obwohl sie ihn über alles liebt, spricht es gegen ihre Prinzipien sich auf diese Stufe hinab zu lassen. Sie wählt Einsamkeit und Heimatlosigkeit über Selbstverachtung, was ich echt unheimlich stark finde.

Jane ist ausserdem eine Feministin. Ein Zitat ist dort besonders auffällig:

„Von Frauen wird vermutet, dass sie im Allgemeinen sehr gelassen und ruhig sind: Aber Frauen fühlen genauso wie Männer; sie brauchen Ausübung ihrer Fähigkeiten und ein Feld für ihre Anstregungen, genauso, wie ihre Brüder es tun. Sie leiden auch von zu starrer Zurückhaltung bis zum absolutem Stillstand; genauso wie Männer leiden würden; und es ist engstirnig von ihren priviligierteren Kreaturen zu sagen, dass sie sich einengen sollen, in dem sie Pudding machen und Socken stricken sollen, Piano spielen und Taschen besticken. Es ist gedankenlos sie zu verdammen oder sie auszulachen, wenn sie sich danach sehnen mehr zu tun oder mehr zu lernen als es der Brauch als nötig für Ihr Geschlecht ansieht. (Kapitel XII)“

Ich erinnere mich wie ich, als ich als erstes Mal dieses diese Stelle las komplett überwältigt war wie weit Vorraus Miss Bronte ihrer Zeit war, vorallem da selbst hautzutage das Frauenbild noch immer schlecht und Klischee behaftet ist.

Ein weiteres meiner Lieblingszitate ist folgendes:

„Ich bin kein Vogel und kein Netz hält mich gefangen: Ich bin ein freier Mensch mit einem unabhängigen Willen!“

Diese Szene passiert nachdem Mr. Rochester Jane immer wieder seinen Vogel nennt und sie damit unter sich stellt und sie eifersüchtig macht. Ich mag dieses Zitat so gerne, dass ich darüber nachdenke es mir tättowieren zu lassen. Besonders wichtig in Jane Eyre ist ihre Familie. Ihre Tanten und Cousins behandeln sie furchtbar und sie hat (angeblich) keine andere Familie und fühlt sich nirgends zugehörig.
Erst später erfährt sie, dass sie einen Onkel hat und die Leute, bei denen sie unterkommt nachdem sie Mr. Rochester verlässt ihre Cousins sind.
Meiner Meinung nach ist diese Revelation das wichtigste Ereignis des gesamten Buches, noch wichtiger als das Happy End mit Mr. Rochester, denn Jane erfährt, dass sie eine Familie hat, die sie liebt und respektiert und diese genau in den Leuten zu finden, die ihr in ihrer Not geholfen haben fand ich wunderschön!

In vielen Aspekten hat mir Jane Eyre soviel besser gefallen als Stolz und Vorurteil, was ja eigentlich mein Lieblingsbuch ist.

Das liegt einfach daran: Jane Eyre erzählt viel eher von der grimmigen Realität und in sehr vielem kann ich mich in Jane wiederfinden.

Wo Stolz und Vorurteil ein kleines Märchen ist, ist Jane Eyre eine Erfahrungsgeschichte.

Ich gebe Jane Eyre:

sternsternsternsternstern

5/5 Sternen!

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