Review zu: When Marnie Was There von Joan G. Robinson

Guten Morgen!

Ich habe so eben das Buch zugeschlagen und während mein Kürbisbrot backt, kommt hier das Review:

When Marnie Was There von Joan G. Robinson (zu Deutsch: „Als Marnie da war“)

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Meine Version: Taschenbuch mit 286 Seiten.

Erschienen 2014 bei HarperCollins Children’s Books (Erstveröffentlichung: 1. Januar 1967)

Zusammenfassung von Goodreads (übersetzt):

Anna ist ein zurückgezogenes Pflegekind, das eines Sommers in ein kleines Dorf in Norfolk geschickt wird. Hier freundet sie sich sich mit einem mysterösen und bedeutungsvollen Mädchen, namens Marnie, an und findet sehr viel über ihre Vergangenheit heraus. Am Anfang sind ihre Gespräche unbeholfen, werden aber auf dieser verlassenen Küstenlinie schnell geselliger. Als die Geschichte sich entfaltet wird es offensichtlich, dass ihre Einsamkeit das Einzige ist, dass diese Mädchen untrennbar zusamenhält.

Mein Review:

Ich bin natürlich, wie so viele andere, durch den Ghibli FIlm auf dieses Buch gekommen. Ich hatte ehrlich gesagt nicht viel von dem Film gehört oder erwartet, aber er hat mich dann so sehr gepackt und berührt, dass ich das Buch unbedingt lesen musste.

Ich war überrascht zu sehen, dass es wenige Unterschiede, ausser ein paar offensichtlichen, zum Beispiel das Setting in Hokkaido, statt Norfolk, gibt.

Ich fand es schade, dass Mrs Pegg nicht ganz so war wie ihr FIlmequivalent. Und in der Szene wo Anna ein andres Mädchen „Fettes Schwein“ nennt anfängt zu weinen und wütend wird, aber nicht so im Film.

Anna als Charakter kam mir immer vor, als leide sie unter Depressionen, die durch ihre (teils selbst-ausgelöste) Isolation ausgelöst wurden. Ganz oft beschreibt sie, dass sie nichts fühlt, ihr alles egal ist oder an nichts denkt. Ich bin natürlich kein Psychologe und kann dies nicht mit 100%iger Sicherheit sagen, aber ihre algemeine Stimmung schien es anzudeuten. Am Anfang fand ich dadurch Anna als Charakter eher unsympatisch, allerings bin ich mir sicher, dass es so sein sollte. Man lernt schnell was Anna bewegt, warum sie so ist wie sie ist und man lernt sie zu lieben und mit ihr zu fühlen. Sehr schön wird die Geschichte von ihr, aus ihrer kindlichen Sicht erzählt. Sehr oft sieht Anna Reaktionen von Menschen um sie herum als Fakt an, wobei sie meistens nur Spekulationen sind und nicht der Wahrheit entsprechen. Sie bildet sich ihre Realität selber und schließt sich selber aus. Erst durch Marnie beginnt sie andere an sich heran zu lassen.
Marnie geht es nicht anders. Verlassen von ihren Eltern, die sie liebt und bewundert, wird sie von ihren Zofen misshandelt und isoliert, bis sie vollkommen einsam ist. Es ist interessant zu sehen wie Anna ihren Eltern böse ist, dass sie gestorben sind und sie alleine gelassen haben und Marnie im Gegenzug ihre Eltern fast vergöttert, obwohl diese sie einfach zurücklassen und vernachlässigen. Beide Mädchen habe ihre eigene, beschränkte Sicht auf die Dinge, welche aber beide, meiner Meinung nach gerechtfertigt sind.

Das Buch spaltet sich aprubt, als Marnie verschwindet und Anna fast ertrinkt, was eine Art Auslöser dafür ist, dass sich alles ändert. Durch Marnie fällt es Anna einfacher sich mit der neuen Familie im Marsh Haus anzufreunden und es ist so wundervoll zu sehen, wie sie dort ohne Probleme ein und aus geht. Ganz besonders diese Seite der Geschichte, von der man im Film leider nicht so viel sieht fand ich wunderschön. Anna wird ohne mit der Wimper zu zucken von der Familie aufgenommen und gehört so gut wie dazu. Keine Formalitäten, nichts. Für ein kleines, einsamen Mädchen ist sowas das Paradies, das kann ich euch sagen, so ist es auch für Anna.

Langsam aber sicher kommt die Geschichte von Anna’s Vergangenheit hervor und sie lernt, dass die nicht mehr „außen“ sondern „Innen“ ist.

Von hier an kommen einige SPOILER, die die ganze Geschichte ruinieren könnten, wenn ihr sie lest, also seht es als WARNUNG an!

Was mir besonders aufgefallen ist, dass das Buch relativ schnell andeutet, dass Marnie nicht echt ist. Oft erzählt Anna, dass sie das Gefühl hat zu träumen, dass Marnie nicht real wirkt, dass sie aufwacht etc. Das fand ich am Anfang doch etwas schade, aber diese Andeutungen lassen zwischendrin nach, sodass, wenn man den Film nicht kennt, vielleicht nich darauf kommt.
Ich habe gelesen, dass viele Leute sich gefragt haben wie Marnie denn nun da war: Dazu habe ich meine ganz eigene Theorie: Als Kind war ich oft auch einsam und habe mir dann imaginäre Freunde erschaffen. Das Gleiche hatte Anna gemacht, nur hat sie dabei das Bild unterbewusst aus ihrer Erinnerung gezogen.
Ich vermute, dass Marnie genau dasselbe getan hat. Das merkt man, dass sie in ihrem Tagebuch schreibt, dass sie ein Bettlermädchen ins Haus holen wollte. Sie hat ihre imaginäre Freundin nur auf echte Menschen projeziert. Und so haben sich beide Mädchen eine Freundin gewünscht und ihre Freundschaft ist durch Anna’s Erinnerungen für uns entstanden. Man kann nun munkeln, hat Anna, für Aussenstehende mit sich selbst geredet? Ich würde sagen: Ja!! Einmal wird es sogar im Buch geschrieben.

Während ich den Film sah und die Geschichte von Marnie langsam erklärt wurde hatte ich gehofft, dass sie in Wirklichkeit Anna’s Großmutter wäre. Als es dann wirklich so war, war ich so überglücklich. Es ist das was die Geschichte so wunderbar herzergreifend war. Für mich noch mehr, da ich, wie Anna, meine Großmutter sehr geliebt habe.

Wunderschön fand ich auch die Szene, wo erzählt wird, dass Marnie ihre Tochter wegschickte, wegen dem zweiten Weltkrieg und diese dann zurückkommt und nichts von ihr wissen will. Eines der Lindsay Kinder fragt daraufhin: „Also wer ist nun Schuld? (an der ganzen traurigen Geschichte von Marnie)“.

Daraufhin antwortet eine Erwachsene: „Wie kann jemand das sagen?  When man so alt wie ich wird kann man nicht mehr sagen Das war jemandes Schuld oder jemandes anderes. Es ist nicht so klar, wenn man genau schaut. Die Schuld scheint überall zu liegen. Oder nirgends. Wer kann sagen, wo Elend beginnt?“

Das zeigt sehr schön den Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen und auch, dass es im langen Sinn einfach unbedeutend wird, wo Menschen involviert sind. Weil jeder Mensch Fehler macht und niemand perfekt ist. Und man manchmal Menschen weh tut, die man liebt, ohne es zu wollen oder merken, selbst wenn man nur das Beste für sie will.

Alles in allem ist dies ein so wundervolles und tiefsinniges und vorallem: Gut durchdachtes Buch, dass ich jedem, egal ob jung oder alt empfehlen kann. Ein bisschen wünschte ich mir, ich hätte dieses Buch als Kind gelesen und dann nochmal als Erwachsene, um zu sehen, wie sich die Ansichten ändern. Aber leider gibt es das Buch nicht auf Deutsch. Ich würde mir wünschen, dass ein Verlag es ganz bald übersetzt!

Damit widme ich mich meinem Kürbisbrot, aber hier noch schnell…

Meine Bewertung:

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Lest es, wenn ihr könnt und schaut dann den Film!

Ich war ein wenig traurig, dass ich den Film vor dem Buch gesehen hatte (auch wenn er einfach wunderbar ist!), aber dadurch wusste ich um das Mysterium um Marnie. Jedenfalls ist beides sehr rührend!

Meine Version, da es die Movie-Tie-In ist, hat noch eine Anmerkung von der Tochter der Autorin, die erzählt wie die Geschichte entstanden ist und wie ein Japaner auf der Suche nach dem Ort war und später der Film entstanden ist.

Schönes Wochenende!

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